18.10.2018


Der Verlag Kētos ist gegründet!
Das Kētos ist das Raubtier der Muse.

Am 30.11. 2018 um 18:00
im Literaturhaus, Zieglergasse 26a, 1070 Wien,
präsentieren Zuzana Lazarová, J.H. Krchovský, Ondřej Cikán, Georg Danek und Anatol Vitouch die ersten vier Bücher des Kētos-Verlags. Mit Musik. Eintritt frei.

Danach, ab 21:00, folgen
im Nachtasyl, Stumpergasse 53–55, 1060 Wien,
Konzerte der Bands Krch-off und Andrej Polanský wtf Emül Langmann.

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Die ersten vier, bereits in allen Buchhandlungen bestellbaren Bücher sind:
J.H. Krchovský: Mumie auf Reisen – Ein Epos und weitere Gedichte eines der populärsten tschechischen Dichter der Gegenwart.
Longos: Daphnis und Chloë – Ein poetischer Liebesroman in völlig neuer, poetischer Übersetzung. Der Endreim ist ein Mittel der antiken Prosa!
Zuzana Lazarová: Das Eiserne Hemd – Lilith und weitere Gedichte einer jungen tschechischen Dichterin. Das eiserne Hemd lässt Krähenflügel sprießen.
Noch nicht vorbestellbar, aber im Werden ist:
Vítězslav Nezval: Valerie und die Woche der Wunder – Ein surrealistischer Schauerroman.

27.10.2017

Manifest des Musismus – Manifest Musismu

Dichtung ist Musendienst.
Poezie je služba Múzám.
Služba Múzám je překlad.
Musendienst ist Übersetzung.

Muse, die Du bist die einzige Schönste, / Weil all Deine Schwestern sich in Dir vereinen! // Wir danken Dir für alles, denn ohne Dich sind wir nichts. / Küsse und behüte uns auf Deinem steinigen Weg, / Der hinter jeder Biegung eine Rose Deiner Liebe birgt, / Schenke uns den Tau deiner vielen Lippen / Und erwecke in uns Deine Stimme, / Denn Du bist die Zeit aller Dinge / Wie im Wachen so auch im Träumen. // Mit der Wange auf Deinem Busen / Lauschen wir Deinem Duft, / Atmen wir Dein Licht, / Auch wenn wir sterben, für immer.

Múzo, Ty jsi jediná a nejkrásnější, / Jsouť všechny sestry Tvé sjednoceny v Tobě! // Za všechno Tobě děkujeme, nejsmeť bez Tebe nic. / Zlíbej a opatruj nás na trnité cestě Tvé, / jež skrývá za každým zákrutem růži Tvé lásky, / Daruj nám rosu z Tvých nesčetných retů / A probuď v nás Tvůj hlas / Neboť Ty jsi čas všeho / Jak ve bdění, tak i ve snách. // S lící na Tvých ňadrech / Nasloucháme Tvé vůni, / Dýcháme Tvé světlo, / I když zemřeme, navždy.

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Manifest des Musismus – Manifest Musismu
Deutsch / Česky
erscheint im Herbst 2019 / Kētos Band 8
xxx Seiten / stran
Hardcover mit Fadenbindung / vázaná v pevné obálce
EUR 8 / CZK 130

ISBN: 978-3-903124-07-3

20.10.2017

Karel Hynek Mácha – Briefe im Feuer

Auswahl von Briefen
übersetzt und dezent kommentiert von Ondřej Cikán
Tschechisch / Deutsch

Karel Hynek Mácha (1810–1836) ist der Verfasser des Liebesepos Mai (Máj), das aufgrund seines wilden Bilderschaffens nicht nur den tschechischen Surrealisten als eines ihrer Vorbilder gedient hat. Heute noch gehen am ersten Mai Verliebte zu Máchas Statue auf dem Prager Petřín und rezitieren zwischen den blühenden Obstbäumen Máchas traurige Verse.

Privat war Mácha nicht ganz so romantisch wie in seinem berühmtesten Gedicht. Davon zeugt nicht nur sein chiffriertes Tagebuch, in dem er unter anderem über seine Liebschaften buchgeführt hat, sondern auch seine impulsiven Briefe. 

In der Ausgabe Briefe im Feuer sind neben einigen Liebesbrief-Fragmenten die Briefe versammelt, die Mácha knapp vor seinem Tod an seine Eltern und seine Verlobte Lori geschrieben hat. Es ist ein schmales Bändchen, ergibt aber einen spannenden und höchst berührenden Mikroroman. Mácha beschreibt zwar begeistert, wie er in Leitmeritz (Litoměřice) bei den Löscharbeiten geholfen hat. Dass er sich aber durch das Löschwasser, das aus der Kanalisation stammte, eine schwere Krankheit zugezogen hat, erwähnt er mit keinem Wort. Statt dessen gibt er unterschiedliche Anweisungen, droht seiner Verlobten Lori aufs, nun ja, widerlichste und macht sich Sorgen um seinen kranken neugeborenen Sohn. Máchas letzter Brief ist vom zweiten November. Am sechsten November starb er und am achten November fanden gleichzeitig sein Begräbnis und die Taufe des Sohnes Ludvík statt. Der Sohn erlebte seinen ersten Geburtstag nicht.

Ondřej Cikán hat schon das Liebesepos Mai (Máj) ins Deutsche übersetzt und dabei den Originalklang nachgebildet, indem er die Freiheiten des tschechischen Jambus auch für das Deutsche übernahm. Der Mai ist super. Unbedingt lesen.

Das Kētos bringt Máchas Briefe im Feuer heraus, um dem deutschsprachigen Publikum einen neuen Aspekt des in Tschechien hochverehrten Dichters näherzubringen. Zugleich fügt sich Mácha aufgrund der Schwerpunkte des Kētos auf abenteuerliche Prosa und tschechische Lyrik gut ins Programm. Abenteuerliche Prosa: Der blutige Roman von Josef Váchal, Valerie und die Woche der Wunder von Vítězslav Nezval, Daphnis und Chloë von Longos. Tschechische Dichtung: Mumie auf Reisen von J.H. Krchovský, Das eiserne Hemd von Zuzana Lazarová.

Gefördert durch das Kulturministerium der Tschechischen Republik.

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Karel Hynek Mácha: Briefe im Feuer
(Dopisy v ohni)
Auswahl von Briefen
Tschechisch / Deutsch
übersetzt von Ondřej Cikán
erscheint im Frühling 2019 / Kētos Band 6
xxx Seiten
Hardcover mit Fadenbindung
EUR 10 / CZK 200

ISBN: 978-3-903124-04-2


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Leseprobe (Stil entspricht dem Original):

Das war aber ein Brand; elf Scheunen voll mit Getreide brannten zugleich, und der Wind blies hinein, ein Graus; so eine Helligkeit und Hitze habe ich in meinem Leben nicht gesehen. – Es brannten die Scheunen auf beiden Seiten der Straße und der Wind jagte die Flammen über die Straße, also wollte niemand hinüberlaufen, und dabei war dort hinten niemand. Also haben wir dann doch zu viert Mut gefaßt. Ich habe mir den Mantel ausgezogen und den Hut, und einer übergoß mir den Kopf mit Wasser, damit meine Haare nicht Feuer fingen; und ich rannte an drei brennenden Scheunen auf jeder Seite vorbei, und hinter mir noch drei Leute. Just war aber höchste Zeit. Zwischen zwei Scheunen ist eine kurze Mauer und in der ist ein Tor; die eine Scheune brannte und die andere nicht; aber das Tor dazwischen brannte schon; wenn das Tor bis zum anderen Ende abgebrannt wäre, hätte davon auch die zweite Scheune Feuer gefangen. Also kletterten ich und der Rauchfangkehrer über das brennende Tor, weil es geschlossen war, zerschlugen die Riegel, traten das Tor um und warfen es auf die Straße hinaus, dann kletterte ich auf die Spitze der Scheune und setzte mich wie auf ein Pferd, und die anderen gaben mir Wasser und ich übergoß immer das Dach, damit es nicht Feuer fing. Aber ich konnte es dort kaum aushalten durch die Hitze und den Wind.
[...]
Ich beschwöre Euch, beim Himmel und was Euch am höchsten ist, warum schreibt Ihr mir nicht? – Ist es ein Witz für Euch? Wenn ich hier am Dienstag kein Schreiben habe, werde ich Euch am ehesten wahnsinnig! Es ist jetzt Freitag vor der 8ten Stunde, ich bin schon gelegen; bin nicht in der Lage durchzuhalten; ständig überfallen mich solche Ängste, daß ich aufspringen mußte, und ich schreibe halbnackt, sodaß ich vor Kälte kaum die Feder halten kann. Ist es ein Witz, so lange hier allein, ganz allein zu sein, nichts zu tun; wohin und was kann ich denken, als wie es Euch in Prag ergeht?


J.H. Krchovský – Mumie auf Reisen

Ein Mumien-Epos und andere harte Gedichte

ausgewählt, übersetzt und mit Nachwort versehen von Ondřej Cikán
Lyrik / erzählende Lyrik
Tschechisch / Deutsch

Ein mumifizierter Mönch flieht vor der Einäscherung aus den Katakomben, taucht in der Stadt unter, versinkt in Alkohol und verliebt sich. Zu jeder rührenden Geschichte, und mag sie auch noch so grob sein, gehört doch die Liebe! 

Das Epos ist durch ausgewählte Einzelgedichte ergänzt, die in ungemein präzisen Versmaßen auf verstörend unterhaltsame Weise von verzweifelter Zärtlichkeit und unzarter Brutalität handeln. 

Diese erste eigenständige deutschsprachige Ausgabe des populären tschechischen Dichters J.H. Krchovský stellt einen kleinen Querschnitt aus dessen umfangreichem Werk dar. Und so fehlen auch nicht ein paar Gedichte, die von der Band Krch-off vertont worden sind. Dabei hat der Übersetzer genau auf das Versmaß geachtet, sodass sich diese Lieder nun auf Deutsch nachsingen lassen (Leseprobe s.u.). Zum Anhören: Spaziergang durch den Urnenhain und Epitaph.

J.H. Krchovský wurde 1960 in Prag geboren, lebt in Brünn und Prag. Sein Pseudonym Krchovský bedeutet auf Deutsch so viel wie J.H. von Friedhof. Von Beginn der 80er Jahre an publizierte er im Samizdat und machte sich mit seiner Poesie im Underground einen Namen. Nach der Wende wurden in rascher Folge seine älteren Lyrik-Sammlungen wiederveröffentlicht und weitere kamen hinzu, und zwar vor allem im Brünner Verlag Host. Im Jahr 1992 erhielt er den Preis der Revolver Revue. Er tritt regelmäßig mit seiner Band Krchoff auf.

Das Kētos publiziert dieses Buch, weil Krchovskýs Mischung aus virtuoser Poesie und Brutalität einzigartig ist, weil in der aktuellen deutschsprachigen Lyrik ausgefallene, präzise Versmaße selten sind, weil ausgefeilte erzählende Lyrik, wie das Epos Mumie auf Reisen den Musen eine ist, am meisten gefällt.
Außerdem ist die Mumie auf Reisen mit den beiden poetischen Schundromanen im Programm des Kētos verwandt, die da heißen: Der blutige Roman von Josef Váchal und Valerie und die Woche der Wunder von Vítězslav Nezval. Thematisch passt das Buch auch zur Lyriksammlung Das eiserne Hemd von Zuzana Lazarová sowie zu den Briefen im Feuer von Karel Hynek Mácha.
Nicht zuletzt sind im Kurzepos Mumie auf Reisen, aber auch in anderen der ausgewählten Gedichte, klare Anklänge an das Liebespos Mai von Karel Hynek Mácha (1810–1836) zu finden, das gleichsam das tschechische Urgedicht ist und unter anderem den tschechischen Surrealismus beeinflusste. Auf dieses Gedicht ist der Übersetzer, Ondřej Cikán, gewissermaßen spezialisiert. Im Jahr 2012 veröffentliche er im Wiener Labor-Verlag seine Neuübersetzung des Mai, ließ sich von diesem Werk zu seinem eigenen Kurzepos Prinz Aberjaja inspirieren und übernahm einzelne Motive auch in seinen Endzeit-Roman Der Reisende – Band 1: Du bist die Finsternis. Bei der Übersetzung von Krchovskýs Gedichten war Cikán also schon zu Hause.

Für das Nachwort hat Cikán zwecks poetischer Einordnung noch Einzelgedichte von Egon Bondy, František Gellner, Otokar Březina sowie drei Gedichte aus den lateinischen Carmina Priapea neu- bzw. erstübersetzt.

Gefördert durch das Kulturministerium der Tschechischen Republik.

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J.H. Krchovský: Mumie auf Reisen
Ein Epos und weitere Gedichte
(Mumie na cestách – Epos a další básně)
Tschechisch / Deutsch
übersetzt von Ondřej Cikán
erscheint im Herbst 2018 / Kētos Band 1
112 Seiten
Hardcover mit Fadenbindung
EUR 18 / CZK 280

ISBN: 978-3-903124-00-4

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Leseprobe:

Eine Strophe aus dem Epos Mumie auf Reisen

Mein liebstes Mädchen liegt mit nacktem
Bauch nah bei mir, hält meine Hand
und schwingt in ihres Herzschlags Takten
ahnt nicht, dass einen abgewrackten
verfaulten Frater sie umarmt
ahnt nicht, wenn ihre Seufzer klingen
vom Nieselschauer still versüßt
dass ihre Arme Aas umschlingen
dass sie einen Kadaver küsst …

Ich denke manchmal an dich
wenn mit dem Herbst im Kopf
ich durch das nasse Laub kriech
am Zentralfriedhof

Sind mal die Morgen milder
und deine zwei Gesichter eins
verlachst du tote Bilder
alle, nur nicht meins

Gesteh ich dir die Liebe
lässt du dich dann drauf ein
dass ich mit dir spaziere
durch den Urnenhain?

Das schlimmste Abendrot ist
wenn unmerklich du bebst
obwohl du noch nicht tot bist
und dennoch auch nicht lebst!

Zuzana Lazarová – Das eiserne Hemd

Die gefeierte Debüt-Sammlung einer harten Lyrikerin aus Tschechien
Erstübersetzung von Ondřej Cikán
Gemeinsam mit der Autorin bearbeitete Fassung

Lilith und andere Gedichte
Tschechisch / Deutsch

Zuzana Lazarovás Dichtung liebkost tief unter der Haut, reißt Engeln die Flügel aus und lässt ihnen neue wachsen. Sie züchtet Blumen in Beeten der Angst und erfreut sich an ihrem Duft. Biblisch-alchemistische Anspielungen mischen sich mit erotischen Bildern für Blinde.

Zuzana Lazarová, geboren 1986 in Liberec, schließt gerade ihr Studium der Photographie an der Prager Filmakademie FAMU ab. Sie arbeitete an den Animationen zum Film Přežít svůj život (Surviving life, CZ/SK 2010) von Jan Švankmajer mit. Mit ihren Photos ist der Roman Umina verze von Emil Hakl illustriert. Ihre Gedichte wurden unter anderem in den Zeitschriften Tvar, A2 und in der surrealistischen Revue Analogon publiziert. Ihre Debüt-Sammlung Železná košile (Das eiserne Hemd) war für den Jiří-Orten-Preis 2016 nominiert.

Das Kētos publiziert diese Lyriksammlung, weil sie erfrischend düster ist. Sie passt gut zur anderen Lyrikübersetzung des Kētos, die da heißt: Mumie auf Reisen von J.H. Krchovský.

Gefördert durch das Kulturministerium der Tschechischen Republik.

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Zuzana Lazarová: Das eiserne Hemd
(Železná košile, fra 2015)
Tschechisch / Deutsch
übersetzt von Ondřej Cikán
erscheint im Herbst 2018 / Kētos Band 3
96 Seiten
Hardcover mit Fadenbindung
EUR 18 / CZK 280

ISBN: 978-3-903124-02-8

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Leseprobe:

Die versteinerte Sonne

Am Ende lauert etwas Zartes
unerträglich Glattes
Es ist weder Eingang noch Ausgang
kein After mit zwei Enden
auch kein aufgeschlitzter Bauch eines Hohltiers
Eher ein schlüpfriger Kiesel aus Licht
ein weißer Umriss
eine stumme Glocke
eine Glocke ohne Herz
und ein Aufblitzen von Grausamkeit
über das der Mensch nur so hinrutscht

Die Sonne fließt in den Rachen der Finsternis
Die Glockenstimme verwächst mit der Landschaft
Und die in der Haut eingefrorene Grotte des Leibes
platzt wie eine Larve


19.10.2017

Longos – Daphnis und Chloë

ein poetischer Hirten-Liebesroman
völlig neu übersetzt von Ondřej Cikán und Georg Danek.

Altgriechisch / Deutsch
mit unterhaltsamem Kommentar

Wird den zwei jungen Hirten Daphnis und Chloë das süße Eheleben beschieden sein? 
Werden sie die unzähligen Entführungen und Verführungen heil überstehen?
Wie viele Wölfe und Piraten werden sie mit erotisch gefletschten Zähnen bedrohen?
Ein wunderbar poetischer Liebesroman, der mit verspielter, künstlich-ironischer Naivität besticht, von der schon Goethe schwärmte. 

Das Besondere an dieser Ausgabe liegt darin, dass die Übersetzer die rhythmisierte antike Prosa erstmals in Kola (bzw. Verse) unterteilt haben. So haben sie etwa die Endreime, die in der Antike ein Mittel der Prosa und nicht der Lyrik waren, sichtbar gemacht und in jahrelanger Arbeit Rhythmus, Sprachfluss und Klang des Originals auch im Deutschen nachgeahmt. 

Das Kētos verlegt dieses Buch, weil es in dieser Übersetzung für das Deutsche eine neue Art erzählerischer Poesie bietet. Außerdem fügt es sich gut zu den zwei anderen poetischen Romanen im Programm, die da heißen Der blutige Roman von Josef Váchal und Valerie und die Woche der Wunder von Vítězslav Nezval.

(Die hohe Seitenzahl unserer Ausgabe ergibt sich durch die Zweisprachigkeit, den tatsächlich unterhaltsamen Kommentar, der zwecks Vergleich u.a. einige feine Neuübersetzungen schöner Gedichte der Dichterinnen Sappho, Nossis und Anyte enthält, und vor allem durch die Aufteilung der Prosa in Verse.)

Georg Danek ist ao. Professor für Gräzistik an der Universität Wien und konzentriert sich in seiner Forschung auf antike Romane und Epen, sowie auf die südslawische Heldenepik. Auch Ondřej Cikán ist als Gräzist auf antike Romane spezialisiert und verfasste selbst, gleichsam als Ergänzung des Genres, einen eigenen surreal-antiken Roman mit dem Titel Menandros und Thaïs, der abendfüllend verfilmt worden ist.

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Longos: Daphnis und Chloë
Altgriechisch / Deutsch
übersetzt und kommentiert von Ondřej Cikán und Georg Danek
erscheint im Herbst 2018 / Kētos Band 2
384 Seiten
Hardcover mit Fadenbindung und Lesebändchen
EUR 20

ISBN: 978-3-903124-01-1

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Leseprobe:

Dieweil Daphnis in solche Gedanken vertieft war,
floh ein Zikadensänger vor einer Schwalbe, die ihn fangen wollte,
   und stürzte in Chloës Gewandbausch hinein. 
Und die Schwalbe, hinten nach, erwischte ihn nicht, 
doch als sie bei der Verfolgung nahe herankam,
   berührten ihre Flügel die Wangen des Mädchens.
Chloë wusste nicht, wie ihr geschah,
und schreckte mit einem Schrei aus dem Schlaf hoch.
Als sie aber die Schwalbe unweit davonfliegen sah,
und Daphnis über ihre Ängstlichkeit lachen hörte,
ließ sie ab von ihrer Furcht
und rieb sich die Augen, die weiterschlafen wollten.
Da zirpte der Zikadensänger aus dem Gewandbausch heraus, 
wie ein Schutzflehender, der für seine Rettung Dank ausspricht.
Chloë schrie abermals auf, 
aber Daphnis lachte,
nahm es als Vorwand,
griff mit beiden Händen an ihre Brust
und holte den lieben kleinen Sänger hervor:
   Und der zirpte weiter in seiner Hand.
   Das Mädchen sah ihn und grüßte ihn, 
   nahm ihn und küsste ihn,
   und steckte sich den Zirpenden wieder zurück ins Gewand.


Josef Váchal – Der blutige Roman

Versuch eines Typus des idealen Schundromans

Erstübersetzung ins Deutsche von Ondřej Cikán
mit allen Originalholzschnitten von Josef Váchal
im ursprünglichen Seitenumbruch
mit spaßigem Kommentar


Ein idealer Schundroman muss offenbar so verrückt wie möglich sein. Endlich gibt es dieses Standardwerk der hoch-tiefen Schundliteratur auch auf Deutsch. Es fehlen weder Piraten noch Verschwörungen noch Jesuiten noch Schweizer Käse noch böse Antialkoholiker. Unzählige Handlungsstränge sind flott miteinander verwoben, und jede Zeile birgt eine Überraschung. 

Stil und Inhalt sind von den Schundromanen des 18. und 19. Jahrhunderts inspiriert. Diese Mischung aus Archaik und den literarischen Errungenschaften der Moderne ist eng mit der Prosa des österreichischen Schriftstellers H.C. Artmann verwandt, der allerdings bei Erscheinen Des Blutigen Romans gerade einmal drei Jahre alt war.

Seinen Blutigen Roman hat Josef Váchal im Jahr 1924 ohne Manuskript direkt gesetzt und in einer Auflage von nur 17 Stück gedruckt, und zwar wie die meisten seiner Bücher als Gesamtkunstwerk. 1970 wurde das Buch in hoher Auflage als Faksimile nachgedruckt und erlangte auf Anhieb Kultstatus, obwohl es auf Anhieb wieder verboten wurde. Sofort nach der Wende 1989 wurde der Verlag Paseka gegründet, der nach einer der Hauptpersonen Des blutigen Romans benannt ist. Es ist naheliegend, was seine erste Publikation war. Der Roman wurde zweimal verfilmt, zuerst von Ladislav Horáček, dem Gründer des Verlags Paseka, und dann noch einmal 1993 von Jaroslav Brabec. Die Holzschnitte des Romans zieren als Sgraffiti die Josef-Váchal-Gasse in Leitomischl (Litomyšl). In dieser Stadt  befindet sich auch jetzige Váchal-Museum Portmoneum, von dem schon im Blutigen Roman die Rede ist.

Josef Váchal (1884 in Milavčice – 1969 in Studeňany) war Graphiker, Maler, Schnitzer, Schriftsteller und Drucker, aber nicht nur. Sein Werk ist beinahe unüberschaubar vielfältig, ja unendlich. Die meisten seiner Bücher druckte er in bibliophilen Niedrigstauflagen selbst. Dabei verband er stets Wort und Graphik, indem er zum Teil eigene Lettern goss oder schnitzte und zum Teil eine sehr archaische Rechtschreibung anwandte. Als bildender Künstler widmete er sich nacheinander und gleichzeitig allen möglichen Richtungen vom Jugendstil über den Expressionismus, von surrealistisch anmutenden bis zu abstrakten Kompositionen. In seiner Jugend war er von katholischem Mystizismus geprägt, später wandte er sich dem Okkultismus zu. Im Jahr 1939 übersiedelte er aus Prag auf den Bauernhof seiner Geliebten, der Künstlerin Anna Macková. Dort blieb er mit ihr sein restliches Leben lang. Wenige Tage vor seinem Tod und wenige Monate bevor die Zensur nach dem unterdrückten Prager Frühling in Fahrt kam, wurde er von der tschechoslowakischen Regierung für sein Lebenswerk geehrt. 

Das Kētos verlegt dieses Buch im Rahmen seines Schwerpunkts auf poetisch-schundige Prosa und tschechische Literatur. Die anderen beiden, verwandten Prosawerke im Programm des Kētos sind Daphnis und Chloë von Longos (wobei diese zwei Helden auch im Blutigen Roman einen kleinen Auftritt haben) und Valerie und die Woche der Wunder von Vítězslav Nezval. Nicht unverwandt ist ebenfalls das in der Ausgabe Mumie auf Reisen enthaltene, gleichnamige Epos von J.H. Krchovský.

Gefördert durch das Kulturministerium der Tschechischen Republik.

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Josef Váchal: Der blutige Roman
(Krvavý román, 1924 – letzter Nachdruck Paseka 2011)
mit allen Originalillustrationen des Autors
übersetzt und kommentiert von Ondřej Cikán
erscheint im Frühling 2019 / Kētos Band 5
xxx Seiten
Hardcover mit Fadenbindung und Lesebändchen
EUR 25 / CZK 490

ISBN: 978-3-903124-03-5

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Leseprobe (Rechtschreibung und Satz ahmen das Original nach):

   Auf des Meeres Wellen schunkelt stolz ein Schiff.
   Es ist die „Albatrus,“ das schnellste Schiff der Welt.
   Gestern ist sie von New Orleans aus in See gestochen, heute schon naht sie Venedig und bringt dem dortigen Dogen eine Ladung schwarzer Sklaven, auf daß er sie unter den venezianischen Bleidächern einkerkern lasse.
   Auch bringt sie mit sich einen Vorrat an Wein.
   Dieses Schiff gehört dem spanischen Kardinal aus Toledo, Torquato beim Namen.
   Der Befehlshaber des Schiffes heißt Rodriguez.
   Gerade steht er auf der Commandobrücke und besieht einen in der Ferne anwachsenden Punkt.
   Sein Blick täuscht ihn mitnichten, es ist ein Piratenschiff.
   Es segelt mit voller Geschwindigkeit der Albatrus nach.
   Spätestens in einer Stunde muß es sie eingeholt haben.
   Es herrscht absolute Windstille.
   Die Albatrus vermochte sich nicht von der Stelle zu bewegen.
   Fünfhundert Sklaven mühten sich vergebens, das Schiff mithilfe von starkem Blasen ein wenig von der Stelle zu schieben.
   Vergebens tobte Rodriguez und seine Soldaten droschen die Sklaven mit Peitschen umsonst: die Segel blähten sich nicht mehr und das Schiff blieb stehen.
   Das feindliche Schiff näherte sich stetig.
   Es schien, als diente den Piraten in dieser Windstille der Deibel selbst, da sie so schnell einhersegelten.
   Das Korsarenschiff hatte sich bereits so angenähert, daß auf seinen Segeln leicht das Zeichen der Meeresräuber zu erkennen war: der Kopf eines Todten und überkreuzete Gebeine.
   Es war ein Viermaster und fuhr mit Volldampf auf sie zu.
   Der Wind, der von ihm ausging, brachte vom Korsarenschiffe Ausdünstungen von Rum und Schnäpsen daher, mit denen die Piraten sich besoffen hatten, um Mut zu schöpfen für den nahenden Kampf.
   Als Rodriguez das beobachtete, begann er an die Verteidigung zu denken.
   Sintemal aufgrund der aufgekommenen Windstille nicht die geringste Hoffnung auf Flucht vor den Piraten bestand, blieb nichts anderes übrig, als mit den Korsaren sich im Kampfe einzulassen.

Vítězslav Nezval – Valerie und die Woche der Wunder

Poetistischer Schauerroman
übersetzt von Ondřej Cikán


Die unschuldige Valerie wird von einem geheimnisvollen Vampir heimgesucht, und es wird ganz schön erotisch. Der Roman wurde 1970 von Jaromír Jireš verfilmt.

Vítězslav Nezval (1900 Biskoupky – 1958 Prag) war Mitbegründer des Poetismus sowie des tschechischen Surrealismus. Seine Übersetzungen insbesondere französischer Dichtung zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Originale, was den Klang und die Bildhaftigkeit anbelangt, weit übertreffen. Was sagt das wohl über Nezvals eigene Lyrik aus? Das 
Kētos wird sich ihrer einmal annehmen müssen, beginnt aber erst einmal mit Prosa.

Das Kētos verlegt dieses Buch, weil es genau in seinen Schwerpunkt poetischer Abenteuerliteratur passt. Die anderen beiden Romane im Programm sind Der blutige Roman von Josef Váchal und Daphnis und Chloë von Longos. Zudem ist Nezvals Valerie durchaus mit dem schaurigen Epos Mumie auf Reisen von J.H. Krchovský verwandt.

Gefördert durch das Kulturministerium der Tschechischen Republik.

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Vítězslav Nezval: Valerie und die Woche der Wunder
(Valérie a týden divů – 1935 verfasst, 1945 publiziert, zuletzt nachgedruckt Maťa 2005)
übersetzt von Ondřej Cikán
erscheint im Herbst 2018 / Kētos Band 4
224 Seiten
Hardcover mit Fadenbindung
EUR 20 / CZK 390

ISBN: 978-3-903124-06-6

Rainer Maria Rilke – Kornet

Píseň o lásce a smrti korneta Kryštofa Rilkeho
přeložil a doslovem opatřil Ondřej Cikán
zrcadlové dvojjazyčné vydání / Deutsch und Tschechisch


Rilkův Kornet je v německém prostředí cosi jako Máchův Máj u nás: báseň o mladé lásce a nesmyslné smrti, čerpající z co nejvíce možností zvukomalebnosti jazyka. Proto je Kornet jeden z hlavních inspiračních zdrojů Musismu.

Rilke (1875 Praha – 1926 Montreux ve Švýcarsku) napsal první verzi Korneta, když mu bylo 24 let, v 29ti letech ji pak ovšem (naštěstí) zásadně přepsal. Absolutním bestsellerem (přes 1,2 miliony výtisků) se stala, když ji nakladatelství Insel vydalo v roce 1912 jako svou první publikaci. 

O prózu se jedná jen zdánlivě. Některé pasáže jsou komponované v pravidelných metrech, které Rilke zatřel tím, že je nerozčlenil do veršů. Skoro každá kapitola je rytmizovaná jinak, překvapuje jiným poetickým nápadem podporujícím pocity a děj.

Překladatel Ondřej Cikán napodobuje formální aspekty originálu co nejvíce. Nehraje si na virtuozitu tam, kde v originále panuje strohost. Ve virtuózních pasážích respektuje rytmus a dodržuje kompozici zvukomalebnosti originálu. 

Doslov se věnuje obsahovému a formálnímu řešení překladu, historickému zasazení básně do roku 1663 a její recepci od prvního vydání dodnes.

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Rainer Maria Rilke
Píseň o lásce a smrti korneta Kryštofa Rilkeho
(Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke)
přeložil a doslovem opatřil Ondřej Cikán
zrcadlové dvojjazyčné vydání / Deutsch und Tschechisch
vyjde na jaře 2019 / Kētos svazek 7.
xxx stran / Seiten
CZK 190 / EUR 10

ISBN: 978-3-903124-05-9


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Ukázky:

Koně překračují zabitého sedláka. Má oči dokořán a cosi se v nich zrcadlí; žádné nebe. Později vyjí psi. Blíží se tedy ves, konečně. A nad boudami se kamenně zvedá zámek. Široce nabízí se most. Rozlehle brána. Vysoce vítá roh. Slyš: Řinčení, rachot a štěkání psů! Řehtání koní ve dvoře, dusot a volání. 

Dost! Hostem být pro jednou. Nehostit stále sám svá přání skrovnou stravou. Nehledět nepřátelsky na vše darované; jednou zas nechat, ať se všechno stane, a vědět – co stalo se, je pro radost. I údy zdatnosti musí jednou protáhnout se, a lnouce se k lemu hedvábných dek přeskočit sebe samotné. Nebít jen vojákem, jemuž válka velí. Jednou zas vlasy rozpustit si po bílém uvolněném límci, a v hedvábné židli opřít se o stůl a až do konečků prstů být tak: po koupeli. A zas se naučit, co jsou to ženy, jak jeví se bílé a jak blankytové; jak natáčejí dlaně, jak zpívají smích, když plaví chlapci nečekaně přinášejí v mísách překrásných těžké, šťavnaté plody.

[…]

Bylo okno otevřené? Je bouře v domě? Kdo práská dveřmi? Kdo chodí po pokojích? Nech. Ať je to kdokoliv. Do věžní komnaty se nedostane. Jako za stovkou dveří je ten veliký spánek, který je společný dvěma lidem; tak společný jako jedna matka nebo jedna smrt.